Ein Logo für das Buchkontor

Man sieht es den beiden nicht an, aber die beiden Lesenden auf dem Logo des Buchkontors sind schon über 110 Jahre alt. Wie sie an den Kriemhildplatz gekommen sind, erfahren Sie hier.

 

Die Zwei für das Buchkontor
Besuch aus den 1920er Jahren

Schon an der Eingangstür des Buchkontors treffen die Kundinnen und Kunden auf ein besonderes Lesepärchen: Zwei stilisierte Figuren, die auf dem Buchkontor-Logo ganz vertieft ihrer Buchleidenschaft frönen. Doch wie kamen die beiden zum Buchkontor?

Als die Suche nach einem Ladengeschäft beendet war, begann für Ulla Harms gleich eine neue: die Suche nach einem einprägsamen Logo, das unverkennbar mit dem Stil des Hauses und dem Buchkontor verbunden sein sollte. Nach vielerlei Überlegungen kam der Zufall zur Hilfe: Bei einer Vertreterkonferenz entdeckte Harms die Illustration.

Das Motiv gefiel ihr sofort, fügte sich doch der 20er-Jahre-Stil des in ein Buch versunkenen Pärchens nahtlos in die Architektur des zwischen 1912 und 1916 entstandenen Nibelungenviertels ein.

Wie sich nach ersten Recherchen herausstellte, war die besagte Illustration ursprünglich für den Wiener Rikola Verlag entstanden. Der Urheber war kein geringerer als Hermann Kosel, der in den 1920er und 30er Jahren einer der bedeutendsten österreichischen Grafiker war.

An diesem Punkt begann für Ulla Harms eine geradezu detektivische und monatelange Arbeit. Ob im Internet, per Telefon, auf diversen Ämtern oder bei der Einsicht von Grundbucheinträgen: Bei der Suche stellte sich heraus, dass Hermann Kosels gleichnamiger Sohn verstorben war, alle weiteren Spuren entpuppten sich vorerst als Sackgassen.

Und wieder meinte es der Zufall gut: Bei weiteren Recherchen stieß Ulla Harms auf den Katalog der Ausstellung „The holy everyday“, die das MAK Wien im Jahr 2000 Hermann Kosel sen. Gewidmet hatte. Im Gespräch mit dem Kurator erfuhr Ulla Harms, dass Johanna Kosel, die Witwe von Hermann Kosel jun., in Oberösterreich lebte, arbeitete und im Besitz der nachgelassenen Rechte ihres Schwiegervaters sei. Einige Telefonate später kam es tatsächlich zu einem Treffen der beiden Frauen in Wien.

Seither wohnt das lesende Paar offiziell nicht nur in der Buchhandlung selbst, sondern ziert auch die Homepage und sämtliche Veranstaltungsflyer des Buchkontors mit seiner Anwesenheit.